Die Nachmittagsfrau 0 (0)

Sendetipp von Radio X, Ffm:

Mittwoch, 5. Mai, 15 – 16 Uhr

WortWellen

Heute kriegt unsere Sendung Besuch von einer etwas merkwürdigen Frau. „Die Nachmittagsfrau“ nennt sie sich, behauptet, die Redaktion zu kennen. Darum dürfe sie im Radio sprechen und genau das hat sie heute vor. Wir sind schon etwas nervös. Aber wir lassen uns drauf ein. Schließlich sind wir eine innovative Literatursendung, da darf so was mal passieren. Seid mit dabei – dann sind wir nicht so allein mit dem Unerhörten! Entfernte Ähnlichkeit hat „die Nachmittagsfrau“ übrigens mit der Bamberger Schauspielerin Rebekka Herl (s. Foto), die im Sommer – Corona willing – ein tolles Stück mit auf Tournee nimmt: Emmas Glück. Näheres erfahrt ihr hier: https://theatersommer.de/programm/schauspielundkomoedie/emmas-glueck

Livestream des Senders: radiox.de/live

Die Exbesessenen 5 (1)

Ich habe mir heute Handschuhe bestellt. Zum 1. M a i  –  das muss man sich mal vorstellen. Aber ich habe keine mehr. Warum nicht? Sag ich nicht. Ist mir peinlich. Frag meine letzten Exhandschuhe, die wissen alles über das Thema:

Der Mann kauft sich uns, wie andere Wildschweinfutter kaufen. Dann ab ins Freie und uns irgendwo liegen lassen. Wer zwei Hemden hat, gebe dem, der keines hat. Auf Handschuhe angewendet hast du mit der Devise nie Handschuhe. Es ist aber noch schlimmer: Er verliert uns immer beide. Das liegt an dem, wozu er uns benutzt: für den Arsch. Er sagt sich: So kalt, dass ich Handschuhe brauche, ist es heute nicht. Dann packt er uns trotzdem in den Rucksack und auf der ersten Bank, wo er sich ausruhen muss, findet er es plötzlich kalt. Und zwar für den Arsch. Er legt uns nebeneinander auf die Bank und setzt sich auf uns drauf. Das gefällt ihm. Na ja, wir sind eben kuschelig. Und er hat nicht mehr die Eier und den Harntrakt wie ein Junger. So weit verstehen wir ihn. Außerdem findet er es entspannend, dass er in der Position immer weiß, was zu tun ist, nämlich: denken, dass er die Handschuhe nicht vergessen darf. Das hält er im Vergleich zu seinen hochkomplexen Gedanken, auf deren Komplexität er nur selten Bock hat, für leicht. „Fokussierend“ nennt er es, an uns zu denken und an den Moment, in dem er aufstehen und uns nicht auf der Parkbank zurücklassen wird. Wie er jedes Mal wieder glaubt . . .

Wenn wir dazwischen mal was Positives sagen dürfen: Wir haben immer eine tolle Aussicht, sobald er weg ist. Die Parkbänke, die der Mann findet, sind es wert, wie er mal sagte, an sie und an den Ausblick von ihnen zu denken und zu wissen: Da liegen jetzt Handschuhe von mir. Denkste: lagen mal. Er hat schon manchen Weg wieder zurück gemacht zu einer Bank, auf der er unsereinen (beziehungsweise -zwei) hat liegen lassen, und erfahren müssen: Wir sind nachtragend, und nicht etwa, wie er es gerne hätte: dass wir uns ihm hinterhertragen würden. Sondern es macht was mit uns, vergessen zu werden. Es verletzt. Wir denken dann: Finderfreude ist treuer als Käuferstolz. Und gehen mit jedem mit, der uns findet, auch wenn das grundsätzlich fremde Männer sind. Okay, auf Händen zu stecken fühlt sich am Anfang seltsam an, in aller Öffentlichkeit, statt unter einem Gesäß verborgen zu ruhen. Aber er wollte es ja nicht anders.

Ich weiß, dass er sich manchmal vorgestellt hat, wir würden seinen Hintern in Wahrheit zärtlich anfassen. So hat er uns immer hingelegt: die Daumen nach innen. Wie manche Frauenhände das beim Akt eben so schön machen. Ich persönlich glaube, es war dieser unterkomplexe Gedanke, der ihn regelmäßig hat vergessen lassen, dass er uns nicht vergessen darf. Euphorisiert wird er gewesen sein, da ist er immer gefährdet. Das lässt ihn augenblicklich an das Gute im Leben glauben, zu dem Kälte oder der Verlust wertvoller Gegenstände nicht mehr recht passen wollen.

Moment mal, hast du grad „ich“ gesagt? Wir sind doch „wir“.

Na ja. Ich vermisse ihn halt. Irgendwo.

Na ich doch auch.

Joy’s Overdrive 1 (1)

 

 

Eine Polka zu Hitlers Todestag
Warnhinweis: Nur laut und betrunken hören! (Aber was sind wir an dem Tag …?)
Bild und Musik: Ewart Reder

Dazu ein Witz:
Sagt ein Jude zu Hitler: Mein Führer, ich verrrate Ihnen ein Geheimnis: Sie werden an einem jüdischen Feiertag sterben. Schnäuzelt der Führer: Woher willst du das wissen? Ganz einfach: Egal, an welchem Kalendertag Sie sterben, es wird von da an ein jüdischer Feiertag sein.

P.S.: Wer an der Aufnahmequalität rummäkelt, muss den Titel drei Mal abschreiben.

Artikel ausverkauft 5 (1)

Länger hatte man nichts mehr gehört von ihr. Überraschend war sie dann nach den ersten Lockerungen doch wieder zu haben. Wie lange noch, ungefähr? Die Würde des Menschen weiß es selber nicht:

Hände weg! Ich bin unantastbar, schon vergessen? Nimm mal ganz schnell deine Fettfinger aus meiner Lockenpracht! Ich wachse auf den Menschen nicht zum Spaß. Kant sprach vom „unvergleichlichen Wert“ des Individuums: Damit war ich gemeint. Ohne mich würdet ihr alle aussehen wie Gianni Infantino und Jeff Bezos. Mit mir wärs dann in jeder Beziehung aus. Okay, die letzten Monate gabs mich mal nicht. Da hatte man mich vergessen, mich weggesperrt. Aber wie Chris Hemsworth oder Shakira wollten die Menschen dann auch nicht aussehen. Ja Kinder, ich muss regelmäßig geschnitten, gepflegt, ab und zu sogar mal gewaschen werden. Bloß gut, dass wir die Politik haben. Die hat mich kurz vor knapp doch noch wiederentdeckt. Ich bin jetzt wieder zu haben und du kannst mit etwas Kleingeld (und noch mal Kant) dafür sorgen, dass andere dich „jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel“ behandeln. Dich nicht mit Haushaltsgeräten verwechseln wie Mobb oder Topfkratzer. Oder mit Asozialen. Früher nannte man diese Leute Penner:innen, weil deren Frisuren immer so verpennt aussehen. Wach auf, Mensch, und lass dir mich machen, solange es für mich noch Termine gibt!

Und sonst so? Wo gibts mich noch zu kaufen? Leider nicht bei der CDU/CSU, obwohl man da sonst alle recht günstig kriegt. Aber mich wollen sie nicht (außer als Werbemittel zu Öffnungs- und Wirtschaftszwecken). In Deutschland ist überhaupt schwierig. Vielleicht mal in dem einen Gesetz probieren, ich komm grad nicht auf den Namen. Da könnte ich – ganz vorne am Eingang – vielleicht noch rumstehen, falls sie mich nicht zwischenzeitig gestrichen haben. Oder Pandemie bedingt ausgesetzt wie meine Nachbarartikel.

Manche sagen, es gebe mich auch auf Gitterrosten über Abluftschächten, in Kaufhauseingängen, unter Brücken und so. Wo es warm und/oder trocken ist, würd ich mal nachgucken, da könnte ich liegen. Vereinzelt und massenhaft zugleich, wie alle Menschen heutzutage. Meinen Friseurtermin habe ich noch nicht erhalten. Die Körperpflege vernachlässige ich zwecks Konzentration auf mein Überleben. Also wie schon gesagt und wie es geschrieben steht: Ich bin unantastbar. Fass mich bloß nicht an!

Vielleicht noch mal in warmen und trockenen Ländern nach mir schauen, da, wo es Wüsten gibt oder ähnlich billige Wohngegenden. Vielleicht liege ich da irgendwo am Straßenrand, unter die Räuber gefallen, halb totgeschlagen. Sicher ist es aber nicht. Viele gingen an mir vorüber und guckten weg. Sie werden mich nicht bezeugen. Über den gegenüberliegenden Straßenrand kannst du sie alles fragen.