Der Abgesagte

Alle reden von Weihnachten – was ist das? Ich kenn nur „Weihnachtsmarkt“. Spaß. Aber der ist verboten. Also der Weihnachtsmarkt. Ist das durchdacht? Was ist mit Berufen, die ganzjährlich nur davon leben? Wie Weihnachtsmann, Glühweinkoch, Pelzmanteltaschendieb. Auch mancher Terrorist steht vor dem Nichts. Wir hören mal rein:

Ich fass es nicht. Ein ganzes Jahr Arbeit umsonst.

Im Februar als erstes mal die Finanzierung geklärt. Reiche religiöse Großfamilie? Gibts nicht so viele. Meine hieß irgendwas mit „Q“, Al Quandt oder so. Deutsche Namen, Bruder, ich sags dir. Aber ist nicht mehr wichtig. Im März die Weihnachtsmärkte brüderlich aufgeteilt. Im April den Laster gebucht. Im Mai ausgekundschaftet, weils da wärmer war. Das ungläubige Treiben kannst du auch auf Youtube gucken, Bruder, einfach mal statt „Hinrichtung“ eingeben: „Weihnachtsmarkt“. Im Juni Vorgespräche mit den wichtigen Medien. Ja Mann, die müssen jetzt auch drei Wochen Urlaub absagen und irgendwas Seriöses recherchieren. Die sind auch sauer.

Im Juli wurds dann richtig warm. Vor allem in meiner Hose, Bruder, so mollig, du verstehst mich schon. Hab ich da mal Plan B klargemacht: hundert Jungfrauen, das Upgrade. Gibts nur in meiner Moschee. Nee, falls was schief geht. Zum Beispiel die Großlimousine der Großfamilie fährt auf der Flucht gegen einen Brückenpfeiler. Oder der Staat erschießt mich lieber, als mich nach der Großfamilie zu fragen. Der Staat ist übrigens auch sauer. Angst macht CDU-Wähler. Was soll er jetzt nehmen? Das olle Virus hat schon selber Schiss, vor dem Impfstoff. Ich sag ja: null durchdacht das Ganze. Da klaffen Lücken. Da kann jeder kommen jetzt. Nimm einen Eierkopf, schreib „Querdenken“ drauf und die Merkel zittert wie Eskenlaub.

Okay, so schlecht sind die Quer-Jungs gar nicht. August bis Dezember: Querdenkerdemos. Eins haben die geheckt, Bruder: Geradeaus denken und Deutschland, das wird nix mehr. Ich sag ja: Deutschland braucht den Wumms.

Der Fehlermelder

Ich wollte, ich wäre ein Kopierer. Immer würde sich wer um mich kümmern. Und nie wäre ich schuld. So stelle ich mir das Leben im Finanzamt …, ääh, im Paradies vor.

Wenn mich wer stresst, stresse ich zurück und sage Papierstau. Ab sofort geht es nur noch um mich. Mein inneres Wohlbefinden ist das neue Projekt. Habe ich noch weniger Bock auf Arbeit, mache ich Dokumentenstau. Da geht erst gar nichts rein in mich. Sondern alles geht vorher schon kaputt. An so was verzweifeln meine Bediener – Abkürzung: Diener. Das genieße ich noch mehr als das zärtliche Zoppeln an meinen Eingeweiden beim Papierstau. Der allerdings den Vorteil der Unendlichkeit hat. Mensch, der du glaubst, du hättest das letzte Papierschnipselchen aus mir rausgezogen – nichts hast du begriffen vom Leben. Du wirst es kennenlernen – in Gestalt meines labyrinthischen Innenlebens.

Bin ich entstaut beziehungsweise macht Papierstau keinen Spaß mehr, rufe ich Kein Papier. Sofort machen Hände Karate mit Papierpackungen, reißen Packpapier von A4-Stapeln runter und stopfen mich wie eine Gans. Ich bin aber keine. Ich bin nicht dumm. Auch wenn so mancher Diener das schon durchs Großraumbüro geschrien hat. Ich habe den Computer studiert, den die Menschen so bewundern. Und bin zu einem geworden. Ich kenne Fehlercodes und Administratoren-Passwörter, von denen noch kein Computer jemals gehört hat.

Neulich wollte mich ein Diener vergiften. Ich habs erst nicht geglaubt. Dann dachte ich: Jetzt wirds mir aber zu bunt. Nicht empfohlener Toner war alles, was ich sagen musste. Der Trottel hat das Fläschchen wieder rausgeholt und auf ex getrunken. Dann hat er sich vor mir niedergeworfen.