Ich bin der Welt abhanden gekommen 5 (2)

Ich bin der Welt abhanden gekommen,
Mit der ich sonst viele Zeit verdorben,
Sie hat so lange nichts von mir vernommen,
Sie mag wohl glauben, ich sei gestorben!
Es ist mir auch gar nichts daran gelegen,
Ob sie mich für gestorben hält,
Ich kann auch gar nichts sagen dagegen,
Denn wirklich bin ich gestorben der Welt.
Ich bin gestorben dem Weltgetümmel,
Und ruh’ in einem stillen Gebiet!
Ich leb’ allein in meinem Himmel,
In meinem Lieben, in meinem Lied!

Friedrich Rückert (1821)

 

Wer sie nicht kennt, die Hammermusik, die Gustav Mahler dazu geschrieben hat:

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Gut Wirt 0 (0)

An dem Tag, an dem eine befreundete Künstlerin mir erzählt, dass das Bild, das ich so bewundert habe, von ihrer siebenjährigen Tochter gemalt wurde (auch noch einer Bob-Ross-Schülerin – die braucht ihren Lehrer nicht mehr!), an dem Tag malt ein sechsjähriges Mädchen das vor meine Füße, weil ihre vierjährige Schwester es unbedingt will. Schnell hingehen muss, wer das Werk noch vor dem nächsten Regen oder Schnee sehen will: Schlosshof Langenselbold.

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Langenselbold unter Wasser 5 (3)

Auf der gleichen Höhe zwei Kilometer weiter guckst du über den Versuch verschiedener Bäche und des südhessischen Flusses Kinzig ein Weltmeer zu werden. Alles ist eins geworden. Keine Landansprüche zwischen den hundert Seen und Strömungen haben länger Bestand. Drei Wege östlich raus aus Langenselbold ins Kinzigtal, das sich hinter dem Ort öffnet, führen durch Senken, in denen das Wasser kniehoch steht auf 80 bis 250 Metern. Führen in ein neues Flussdelta. Führen zu Music-Society und zu den sich verzweigenden Texten der Kategorie “Literatur”.

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ZWEIHUNDERTFÜNFZIG JAHRE HÖLDERLIN 0 (0)

“Hölderlin für mich größter Dichter deutscher Sprache. An seine Hymnen reicht keiner heran.” (Patrick Roth)

(c) Ewart Reder

Zwar keine Hymne, dafür vielleicht das bekannteste, jedenfalls ein schönes und zur Jahreszeit passend:

HÄLFTE DES LEBENS

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde ?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

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Mein Name und andere 5 (1)

© Ewart Reder

 

Über den Ostparksee geht der Blick weiter

in den Ostpark als ich je kam in diesem Park

der die Weite des Ostens hat. Fahrradampeln

aus Saigon würden hier bella figura machen

neben alten Damen die Nachtbeleuchtung machen

mit beigen Plastikmasken um klare Birnen.* Um

den See gehen Männernamen. Sie kommen aus

Frauenmündern gehen in Frauenohren und -unter-

leiber bereit zu verzeihen und das Gute zu sehen

für den Rest eines Frauenlebens.

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* Hommage an Hölderlin

* 1770

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